Der grüne Schleier: Die Grünalge

Kaum eine Verschmutzung tritt so flächig und auffällig auf wie die Grünalge. Was im Wald auf Baumstämmen natürlich wirkt, mindert an Hauswänden, auf Terrassen oder Gehwegen massiv die Optik und den Wert der Immobilie. Doch Grünalge ist nicht gleich Grünalge – und einfaches Abschrubben macht das Problem oft nur schlimmer.

Über die Grünalge

Grünalgen (Chlorophyta) sind pflanzliche Mikroorganismen, die Photosynthese betreiben. Ihr grüner Farbstoff, das Chlorophyll, ist für die Energiegewinnung aus Sonnenlicht verantwortlich. An Gebäuden finden wir meistens Einzeller oder fadenförmige Arten (wie die Gattung Apatococcus oder Desmococcus), die einen dichten, meist leicht pelzigen Teppich bilden.

Algen brauchen zum Überleben drei Dinge: Licht, Nährstoffe und vor allem Feuchtigkeit.

  • Kondensationsfeuchte: Besonders bei modern gedämmten Häusern (WDVS) kühlt die Außenfassade nachts stark ab. Die Luftfeuchtigkeit schlägt sich als Tauwasser nieder. Dieser dünne Wasserfilm reicht den Algen völlig aus.

  • Schlagregen: Wände, die nach Westen oder Nordwesten zeigen, bleiben nach Regen länger feucht.

  • Umgebung: Bäume oder Sträucher in unmittelbarer Nähe zum Haus erhöhen die lokale Luftfeuchtigkeit und geben zusätzlich organische Nährstoffe ab.

  • Fehlende Bauphysik: Zu kurze Dachüberstände oder defekte Dachrinnen leiten Wasser direkt an der Wand herab.

Verbreitung: Wie kommen sie an die Wand?

Grünalgen verbreiten sich über mikroskopisch kleine Zysten und Sporen, die über die Luft transportiert werden. Diese „Überlebenskünstler“ können monatelang austrocknen, ohne abzusterben. Sobald es regnet, werden sie aktiviert, setzen sich in den Poren des Putzes oder der Steine fest und beginnen mit der Zellteilung. Innerhalb weniger Wochen kann so eine ganze Hausseite „ergrünen“.

Fachgerechte Reinigung

Viele Hausbesitzer greifen zum Baumarkt-Hochdruckreiniger und halten mit vollem Druck auf die Wand. Vorsicht: Damit rauen Sie die Oberfläche auf und drücken die Algensporen noch tiefer in den Putz. Die Folge: Der grüne Schleier kommt nach wenigen Monaten noch stärker zurück.

Der professionelle Lösungsweg:

Biozid-Behandlung (Vorbehandlung): Ein spezielles, biologisch abbaubares Mittel wird aufgesprüht. Es dringt in die Zellstruktur der Alge ein und löst deren Haftung zum Untergrund.

Niederdruck-Spülverfahren: Mit heißem Wasser (ca. 60–80 °C) und sanftem Druck werden die abgestorbenen Organismen aus den Poren gespült. Die Hitze sorgt dafür, dass auch tiefsitzende Sporen abgetötet werden.

Porentiefe Desinfektion: Nach der Reinigung wird oft ein Langzeitschutz aufgetragen, der den pH-Wert der Oberfläche leicht verändert, sodass Algen keinen Nährboden mehr finden.