Das Rätsel der roten Fassade: Rotalgen und deren Entfernung

Haben sich an Ihrer hellen Fassade plötzlich rötliche oder rostbraune vertikale Streifen gebildet? Was oft wie Rost oder Vandalismus aussieht, ist in den meisten Fällen ein biologischer Befall: Rotalgen. In den letzten Jahren hat die Verbreitung dieser speziellen Algenart massiv zugenommen. Doch was steckt genau dahinter, und wie wird man sie wieder los?

Was sind Rotalgen?

Anders als die klassischen Grünalgen gehören Rotalgen (wissenschaftlich oft aus der Gattung Trentepohlia) zu einer Gruppe von Algen, die eigentlich Grünalgen sind, aber durch eingelagerte Farbstoffe – sogenannte Carotinoide (wie im Herbstlaub oder in Karotten) – rot, orange oder bräunlich erscheinen.

Diese Farbstoffe dienen der Alge als Sonnenschutz. Da Rotalgen oft an sehr exponierten Flächen siedeln, schützt das rote Pigment das Chlorophyll im Inneren vor der Zerstörung durch UV-Strahlung.

Rotalgen finden sich fast überall in Europa, bevorzugen aber Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Dass sie heute viel häufiger an Fassaden zu sehen sind als noch vor 30 Jahren, hat paradoxerweise mit zwei positiven Entwicklungen zu tun:

Saubere Luft: Früher verhinderte der Schwefelgehalt in der Luft (saurer Regen) das Algenwachstum. Da unsere Luft heute viel sauberer ist, finden Algen einen besseren Nährboden.

Wärmedämmung (WDVS): Moderne gedämmte Fassaden lassen kaum Wärme von innen nach außen. Dadurch bleibt die Außenputzschicht nach Regen oder Taubildung länger feucht und kühl – ein ideales Mikroklima für Algen.

Wie kommen die Algen an das Gebäude?

Algen „wandern“ nicht im klassischen Sinne. Ihre Verbreitung erfolgt über Sporen. Diese mikroskopisch kleinen Überdauerungsformen werden durch den Wind kilometerweit getragen. Sobald eine Spore auf eine feuchte, raue Oberfläche trifft, setzt sie sich in den Poren des Putzes fest und beginnt zu wachsen.

Besonders betroffen sind:

  • Wetterseiten (West/Nordwest): Hier peitscht der Regen am häufigsten gegen die Wand.

  • Verschattete Bereiche: Wo die Sonne die Fassade nach dem Regen nicht schnell abtrocknen kann.

  • Bauliche Mängel: Fehlende Tropfkanten an Fensterbänken oder zu kurze Dachüberstände führen dazu, dass Wasser konzentriert an der Fassade herabläuft (die typischen „Tränensäcke“ oder Streifen).

Wie bekommt man Rotalgen wieder sauber?

Rotalgen sind besonders hartnäckig, da sie tief in die Kapillaren des Putzes einwachsen. Eine rein mechanische Reinigung mit kaltem Wasser und extrem hohem Druck schadet der Fassade oft mehr, als sie nutzt, da die Wurzeln (Rhizoide) im Putz verbleiben und sofort neu austreiben.

Das professionelle 3-Stufen-Verfahren:

Einsprühen: Ein spezielles Reinigungsmittel (Albizid) wird aufgetragen. Es löst die Algenkapsel auf und tötet die Sporen bis tief in die Poren ab.

Sanftes Abspülen: Nach einer Einwirkzeit werden die abgestorbenen Algen mit warmem Wasser und moderatem Druck (Niederdruckverfahren) schonend abgespült.

Langzeitschutz: Nach der Trocknung wird ein transparenter Fassadenschutz aufgetragen, der die Neubesiedlung für mehrere Jahre verhindert.